SK8KN. Stadtgeschichte auf vier Rollen und einem Brett

Beitrag im NUN-Magazin für Konstanz und Kreuzlingen, Ausgabe 1

[Auszug]


Zum Brettsport kann man auf unterschiedlichste

Weise kommen: Vielleicht ist es das Longboard der neuen Mitbewohnerin oder die Suche nach einem Ersatz für das

kaputte Fahrrad – irgendwie muss man schließlich an den See kommen. Vielleicht verliebt man sich auch beim Erasmus in ein Pintail mit Bambusoptik – qualitativ fragwürdig, mit einem leichten Drall nach links, dafür perfekt – oder gleich in den ganzen Kerl auf dem Brett.


Die Anfänge

Die Geschichte der Konstanzer Skater beginnt 1976. Damals war der Münsterplatz noch geteert und weitaus rollenfreundlicher als heute. Skateboards erlebten in den USA gerade ihren zweiten Höhepunkt und schwappten nun langsam nach Europa. Dass die Welle auch den Bodensee erreichte, dafür sorgte unter anderem Florian Haubold. Er machte in dieser Zeit seine Ausbildung im Sportgeschäft Helle Müller in der Rosgartenstraße, Ecke Bodanstraße – heute befindet sich hier ein Taschenladen – und traf zum ersten Mal auf der Sportmesse ISPO in München auf die Bretter. „Das sah so aus, als könnte es Spaß machen und ich überzeugte meine Chefs, ein paar Bretter mit nach Konstanz zu nehmen“, erzählt er. Die Bretter bestanden damals aus Fieberglas und waren „ziemlich schundig“ – aber Skateboards waren in Konstanz angekommen.


Schnell fanden sich Gleichgesinnte, alle etwa im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. „Damals war besonders die Straße am Wasserwerk angesagt; da gab es die Schranke noch nicht. Wir heizten dort runter und versuchten möglichst nicht hinzufallen“, erinnert sich Haubold. Zu diesem Trupp gehörten neben Florian Haubold, Thomas „Kellogs“ Keller und Ralf „Pogo“ Vogt, dem späteren Gründer der Bowl Constructions AG, auch der heutige Geschäftsführer von Jester Sports, Werner Früh, sowie Petra Müssig, Snowboard-Weltmeisterin in den Jahren 1987, 1989 sowie 1990 und laut Wikipedia die „Grande Dame des Snowboarding“. Beide Karrieren nahmen gleichsam auf den Konstanzer Straßen ihren Anfang.


Die Wettkämpfe

Dass die Konstanzer Skater später so erfolgreich wurden, verdankten sie vor allem Dietmar „Didi“ Gröters und seinem Tieflader. Didi chauffierte die Kids durch die Gegend, damit sie an den Wettkämpfen teilnehmen konnten. Das belebte nicht nur die Konstanzer Rollkultur, sondern förderte gleichzeitig auch den grenzüberschreitenden Austausch, denn die nächstgelegenen Contests waren in der Schweiz. Die Szene dort war schon immer sehr aktiv und in Kultur wie Subkultur verankert. Dank Didi waren die Kids fast jedes zweite Wochenende unterwegs. Gab es keinen Wettkampf, fuhr er mit dem Tieflader die ersten selbstgebauten Rampen zum Parkplatz der Geschwister-Scholl-Schule. Dort fand später auch der erste Slalom-Wettkampf in Konstanz statt. Weitere Disziplinen waren Halfpipe, Quarterpipe, Freestyle und – ja – auch Hochsprung.


„Schließlich rissen wir uns Teile der Jägerkaserne unter den Nagel“, erinnert sich Haubold. In die damals leer stehende französische Garnison bauten sie mit Didis Hilfe die ersten, brandgefährlichen Halfpipes ohne Verts und Flat. Das Material dafür klauten sie sich aus den umliegenden Gebäuden zusammen. Als sie sich eine Bowl, einer der amerikanischen Swimmingpools nachempfundene, betonierte „Schüssel“, bauen wollten, rissen sie einfach Wände ein, ohne sich über sowas wie Statik auch nur Gedanken zu machen – Anarchie in Reinkultur. Später, in der heutigen Petershauser Sporthalle, bauten sie kurz nacheinander mehrere, immer professionellere Halfpipes und schließlich stand 1979 in Konstanz die deutschlandweit erste wettkampftaugliche, überdachte Skateanlage. „Das war eine geniale Zeit, jetzt würden wir alle dafür eingesperrt werden!“, erzählt Haubold. In dieser Zeit stieß auch Bernt Jahnel dazu, heute Inhaber des Frontline Skateshops am Münsterplatz und einer der wenigen deutschen Skater, die auch in den USA bekannt geworden sind. Mit gerade einmal zwölf Jahren nahm ihn ein Klassenkamerad – dieser sollte später sein erster Partner im Shop werden – zum ersten Mal mit in die Jägerkaserne. Vorher hatte Jahnel Fußball gespielt, die Atmosphäre war beim Skaten aber ganz anders als im Verein, erzählt er: „Man ist gleich in die Szene aufgenommen worden. Man ist einfach hingegangen und hat immer Leute getroffen. Es gab keine Trainingszeiten, keinen Trainer, keinen Zwang.“


1985, mittlerweile an den Konstanzer Roll- und Eissportclub e.V. angegliedert, begann für die Skater mit dem Nachfolger am Tannenhof, liebevoll „Wippe“ genannt, schließlich die intensivste Zeit. Diese Halfpipe konnte gut mit den Rampen in den USA mithalten und zählte zu den größten Europas. Regelmäßig wurden auf ihr die international besetzten Konstanz Open ausgetragen. Konstanz war zu diesem Zeitpunkt neben Zürich, Wien und Münster eine der Skate-Hochburgen im deutschsprachigen Raum. 1988 gingen drei von fünf deutschen Meistertiteln an Konstanzer Skater und es gab immer Leute wie Jahnel, die auch international erfolgreich waren. [...]


Fotos: privat


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